Nagelpilz heilt nicht von alleine

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Nägel bestehen aus harten, verhornten Zellen der Oberhaut, die ganz dicht aneinander liegen. Der sichtbare Teil des Nagels wird Nagelplatte genannt und ist durchsichtig. Die zarte rosa Farbe stammt von den Blutkapillaren des Nagelbetts, die unter dem Nagel liegen und durch ihn hindurch scheinen.

Die Nägel schützen Finger- und Zehenkuppen vor Verletzungen, erleichtern das Greifen und Tasten und spielen eine wichtige Rolle bei der Feinmotorik. Im Allgemeinen sind Nägel leicht nach außen gewölbt.

Das Wachstum der Nägel wird von verschiedenen Faktoren bestimmt. Neben Alter, Gefäßversorgung und Außentemperatur hängt die Wachstumsgeschwindigkeit auch davon ab, ob es sich um einen Finger- oder Zehennagel handelt. Während Fingernägel etwa einen Millimeter pro Woche wachsen, brauchen Zehennägel für die gleiche Strecke ungefähr die dreifache Zeit. Außerdem wachsen die Nägel von Männern für gewöhnlich schneller als die von Frauen.

Gefahr durch Pilze

Pilzerkrankungen sind sehr häufig. Das liegt an der weltweiten Verbreitung von Pilzen, deren zahlenmäßig häufigem Auftreten sowie an den modernen Lebensumständen, die es den Krankheitserregern leicht machen, in die menschliche Haut einzudringen.

Nagelpilzerkrankungen werden in den weitaus meisten Fällen von Fadenpilzen, sogenannten Dermatophyten, ausgelöst. Diese verfügen über bestimmte Enzyme, die es ihnen ermöglichen, die Hautoberfläche des Menschen für sich aufzuschließen, in sie einzudringen und sich dann von der Haut zu ernähren.

Begünstigt wird ein Befall der Nägel durch eine vorhergehende Fußpilzerkrankung. Insbesondere die Zehenzwischenräume, die häufig ein feucht-warmes Mikroklima aufweisen, sind ideale Keimstätten für Pilze. Da ist es nicht verwunderlich, dass Zehennägel - und hier wiederum die des kleinsten und des größten Zehs - etwa vier Mal häufiger von Pilzerkrankungen betroffen sind als Fingernägel.

Zudem wird das Entstehen von Nagelpilz durch Verletzungen des Nagels, Beschädigungen des Nagelhäutchens, das Tragen luftundurchlässiger Schuhe und Kleidung sowie enges, unbequemes Schuhwerk gefördert.

Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder Stoffwechselerkrankungen, die zu Durchblutungsstörungen führen, können die Entstehung von Nagelpilz begünstigen. Außerdem spielt auch das Alter eine Rolle - mit höherem Lebensalter verlangsamt sich u.a. die Geschwindigkeit des Nagelwachstums.

Schnelle Behandlung ist wichtig

Ist ein Nagel von einer Pilzerkrankung betroffen, kann man dies meist schnell sehen. Der Nagel verliert seinen perlmuttartigen Glanz und seine Transparenz - nach und nach verfärbt er sich gelblich, später geht die Verfärbung ins bräunliche über. Schreitet die Erkrankung weiter fort, verdickt sich die Nagelplatte, die Nagelränder können einreißen. Unbehandelt kann ein Nagelpilz zu einer völligen Zerstörung der Nagelplatte führen - und dies bis zu einem späten Zeitpunkt der Erkrankung ohne Schmerz.

Dieser tritt erst dann auf, wenn der Nagel seine Schutzfunktion für Finger- und Zehenspitzen nicht mehr erfüllt und z.B. enges Schuhwerk direkt auf den Zeh drückt. Eine Behandlung sollte allerdings bereits sehr viel früher beginnen: Pilzerkrankungen der Haut heilen nicht von alleine ab - und sind zudem sehr ansteckend.

Bei der Behandlung ist allerdings Geduld erforderlich, da sie aufgrund des langsamen Nagelwachstums meist über Monate durchgeführt werden muss. Erst dann ist der Nagel vollständig nachgewachsen und die Pilzerkrankung auskuriert.

Um die richtige Behandlung zu wählen, muss zunächst untersucht werden, um welchen Erreger es sich handelt. Dazu entnimmt der Arzt eine Materialprobe vom befallenen Nagel, die mikroskopisch untersucht wird. Um den genauen Pilz zu ermitteln, wird eine Pilzkultur angesetzt - anhand der Wuchsform kann der Erreger identifiziert werden.

Grundsätzlich sind bei Nagelmykosen zwei Therapieformen zu unterscheiden: Die lokale und die systemische Therapie. Bei der lokalen Behandlung handelt es sich um eine örtliche, äußerliche Behandlung der befallenen Nägel mit Salben oder Lacken. Für die systemische Therapie stehen verschiedene Antimykotika zur Verfügung, die als Tabletten oder Kapseln geschluckt werden. Ein Nachteil ist die schlechtere Verträglichkeit, die zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann.

Feilen und Lackieren

Zu den bewährten Antipilzwirkstoffen zählt Ciclopirox. Er stammt aus der Gruppe der Hydroxypyridinonderivate und wird hauptsächlich in der lokalen Behandlung von Nagelpilz eingesetzt. Ciclopirox hat ein breites Wirkspektrum, ist fungizid (pilztötend) gegen Dermatophyten, Hefen und Schimmelpilze. Damit deckt der Wirkstoff die gesamte Bandbreite möglicher Erreger von Nagelpilzerkrankungen ab.

Hervorzuheben ist, dass Ciclopirox nicht nur gegen die Pilze selbst, sondern auch gegen deren Sporen wirksam ist. Zudem hat es eine entzündungshemmende und eine breite antibakterielle Wirkung. Diese ist wichtig, um bakteriellen Folgeinfektionen, die bei Nagelpilz nicht selten sind, vorzubeugen.

Vor der Anwendung des ciclopiroxhaltigen Nagellacks sollte so viel wie möglich vom befallenen Nagel mit einer Schere und durch Feilen entfernt werden. Da das Keratin der Nägel sehr dicht und nur schwer durchlässig für aufgetragene Substanzen ist, ist es sinnvoll, die Nagelplatte von oben möglichst weit abzufeilen. Das macht den Nagel entsprechend dünner und erleichtert das Eindringen des Wirkstoffs. Dieser wird in einer dünnen Schicht auf den Nagel aufgetragen - sinnvoll ist eine Anwendung als Nagellack, der schneller trocknet als beispielsweise Salben oder Cremes.

Vor dem jeweiligen Auftragen des Nagellacks sollten die Nägel wiederum gefeilt werden. Wichtig ist, dass dabei Einmalfeilen verwendet werden, um eine Kontamination anderer Nägel zu vermeiden.